Fabian Otte coacht mit den besten Ideen aus fünf Ländern

Fabian Otte schießt Neuseelands Torhüterin Erin Nayler ein

Fabian Otte schießt Neuseelands Torhüterin Erin Nayler ein

Mit nur 26 Jahren ist Fabian Otte schon bei der Karriere nach der Karriere angelangt. Der gebürtige Münsteraner ist als Torwarttrainer beim Neuseeländischen Verband angestellt. Dort trainiert er die Torhüterinnen der A-Nationalmannschaft, sowie die des Akademie-Teams (Football Ferns Development Program). Das hatte der Verband ins Leben gerufen, um den Abstand zur ersten Elf zu schließen. Während die ersten 13 Frauen allesamt professionell in Europa oder Amerika spielen, hängt der Rest etwas hintendran. „Da wollen wir einen Übergang schaffen“, sagt Otte, der schon die verschiedensten Torwarttrainer Lizenzen hat und demnächst seinen B-Schein bei der OFC macht. „Wir trainieren viermal die Woche, haben einen geregelten Spielbetrieb. So soll das Niveau angeglichen werden, damit auch die nächsten Spielerinnen in die Profiligen kommen.“

Fabian OtteDoch auch als Spieler hat Otte schon einiges gesehen. In seiner kurzen Karriere spielte er bereits in fünf verschiedenen Ländern. Nach seinem Karrierestart bei Preußen Münster stand der Torwart schnell vor der Entscheidung zwischen Studium und Sport. Die Trainingszeiten ließen es nicht anders zu und so bot es sich an, die beiden Wege in den USA beim North Carolina State-College zu verbinden. Drei Jahre später hatte er seinen Abschluss in der Tasche und war sogar beim MLS-Draft dabei, wurde aber nicht gepickt und so entschied er sich, es wieder in Deutschland zu versuchen. Er schloss sich dem damaligen Regionalligisten Sportfreunde Lotte an. Doch da merkte er schnell, dass er nicht komplett glücklich wurde. „Ich wollte den Fußball nutzen, um ein bisschen was von der Welt zu sehen und nicht immer nur in einem Land spielen“, sagt er. Außerdem sei es damals schon unrealistisch gewesen, es noch einmal in die Bundesliga zu schaffen. „Ich war schließlich schon 24 und hatte nur US-College-Erfahrungen.“

Erste Auslandsstation: Das College-Team der North Carolina State

Erste Auslandsstation: Das College-Team der North Carolina State

So ging es für Otte erstmals nach Neuseeland. Ein halbes Jahr spielte er dort bei den Western Suburbs. Das ist so üblich: Pro Jahr werden zwei Meisterschaften gespielt. Die Wintersaison von April bis Juli und die Sommersaison von Oktober bis März. Das Land hatte ihn sofort fasziniert. „Die Menschen, die Landschaft: Wunderschön“, sagt er. Diese Erinnerungen ließen ihn nicht los. Auch, wenn er vorerst seine Zelte wieder abbrach und erst nach England, später nach Holland ging, ehe er zur vergangenen Wintersaison wieder ans andere Ende der Welt wechselte – in Dreifachfunktion.

Zunächst spielte er als Torwart bei Three Kings United und machte nebenbei seinen Doktor in Marketing. Über den derzeitigen U20-Nationaltrainer, mit dem er 2015 kurz zusammengearbeitet hatte, bekam er dann die Stelle an der Akademie und arbeitete sich zum Torwarttrainer der A-Mannschaft hoch. Und so beendete er nach der Wintersaison seine aktive Karriere. Durch seinen Job beim Verband habe er einfach nicht genug Zeit, um selbst zu spielen und zu trainieren. „Wir waren mit der Nationalmannschaft in den USA, demnächst fliegen wir nach Thailand. Bei so einem Programm kann ich keinen Vertrag unterschreiben.“

Fabian Otte mit zwei Akademie-Torhüterinnen

Fabian Otte mit zwei Akademie-Torhüterinnen

Ohnehin ist Otte in Neuseeland gut ausgelastet. Viermal trainiert seine Akademie-Mannschaft in der Woche, am Wochenende ist Spiel. Dazu kommen die Reisen mit dem A-Team und seine Arbeit an der Universität. „Und das schöne Land“, fügt er hinzu. Schließlich wolle er auch etwas davon sehen.

Im Trainerjob hat Otte eine Berufung gefunden und er kann viel von seinen gesammelten Erfahrungen einbringen. „Ich habe eine gute, technische Torwartschule in Deutschland durchlaufen, hatte in Tony Norman in England einen menschlich überragenden Torwarttrainer und konnte mir in Holland und den USA nochmal ein ganz anderes Torwartspiel anschauen“, sagt er. „Ich denke, dass ich so die Möglichkeit habe, mir von allem das Beste rauszupicken und anzuwenden.“

Während seiner Zeit in England spielte Otte auch um den FA Cup

Während seiner Zeit in England spielte Otte auch um den FA Cup

Trotz der dualen, der akadamischen und der Trainer-Karriere, hat sich Otte festgelegt. „Die Arbeit an der Uni macht Spaß, aber als Trainer fühle ich mich wohler. Es macht sogar mehr Spaß als spielen“, sagt er. Und dieser Job soll den reiselustigen Münsteraner auch wieder nach Europa bringen. „Dort liegt das Herz des Fußballs“, sagt er. „Wenn ich auf dem höchstmöglichen Niveau arbeiten will, muss ich nach Europa.“ Seine Ziele hat er sich klar gesteckt: In drei, vier Jahren will er wieder zurück auf den Heimatkontinent. Vielleicht sogar nach Deutschland. „Ich kann mir gut vorstellen, in einem Nachwuchs-Leistungszentrum oder beim DFB zu arbeiten“, sagt er.