Tim Heubach: Mit gutem Bauchgefühl nach Israel

Tim Heubach

Tim Heubach im Trikot von Maccabi Netanya (Foto: Facebook (Heubach))

In den vergangenen Jahren war Innenverteidiger Tim Heubach ein fester Bestandteil der zweiten Bundesliga. Von einigen Verletzungen geplagt kam der gebürtige Neusser auf 91 Einsätze für den FSV Frankfurt und den 1. FC Kaiserslautern in der zweithöchsten deutschen Spielklasse. Im Sommer wechselte er im Alter von 29 Jahren nach Israel zu Maccabi Netanya in die erste Liga. „Der Bauch hat mir gesagt, dass es das Richtige ist“, sagt Heubach, der seit Saisonbeginn nicht aus der Mannschaft des Aufsteigers wegzudenken ist. Schon seit dem vergangenen Februar habe es Interesse gegeben, sagt er, im Sommer wurde es fix.

Die Stadt Netanya liegt zwischen Tel Aviv und Haifa direkt am Mittelmeer. Der Verein Maccabi wurde 1934 gegründet und galt in den 70er und 80er Jahren als das Maß aller Dinge im israelischen Vereinsfußball. In dieser Zeit wurde auch fünfmal der Meistertitel gewonnen, der bislang letzte im Jahr 1983. Deutschen Fußballfans ist der Verein vor allem durch das kurze Trainer-Engagement von Lothar Matthäus bekannt, oder als Jugendverein des Ingolstädter Mittelfeldspielers Almog Cohen.

Regeneration am Strand statt auf dem Sofa

Nun spielt Heubach dort und genießt es. „Schon als ich aus dem Flugzeug gestiegen bin, habe ich mich zu Hause gefühlt“, sagt er. „Ich hatte direkt ein gutes Gefühl.“ Große Sicherheitsbedenken hatte er nicht. „Natürlich habe ich mich bei Leuten umgehört, die hier spielen oder hier Urlaub gemacht haben“, sagt Heubach. „Aber ich habe nichts negatives gehört.“ Von Unruhen, von denen er in Europa am Fernsehen mitbekommen hat, habe er in Netanya sogar noch gar nichts mitbekommen. Dort lebt er 200 Meter vom Strand entfernt. Eine ganz andere Lebensqualität wie er sagt: „Regeneration auf dem Sofa ist okay, am Strand ist es aber schöner.“ Dabei hatte Heubach eine Auslandserfahrung lange gar nicht auf der To-Do-Liste. „Aber es hat sich einfach ergeben“, sagt er. „Außerdem passt es ziemlich gut. Ich bin 29, habe noch keine Kinder. Mit Kindern wäre es schwieriger.“

Tim HeubachUnd auch Fußballerisch passt es. Nach 12 Spieltagen stehen die „Diamonds“, wie Maccabi Netanya auch genannt wird, auf dem fünften von 14 Plätzen in der israelischen Elite-Liga. Die ersten sechs qualifizieren sich für die Meisterrunde, in der die internationalen Plätze ausgespielt werden. Der Meister nimmt an der Qualifikation für die Champions League teil, der Zweite und der Dritte haben die Chance, sich für die Europa League zu qualifizieren. Doch darauf hat Heubach bei seinem Wechsel gar nicht geschielt. „Nein. Das war für mich kein Faktor“, sagt er bestimmt. „Ich wollte einfach mal raus und etwas anderes sehen.“ Außerdem sei die Saison noch zu lang, um darüber zu spekulieren.

Kein Wunder, dass Heubach gar nicht so sehr an die Zukunft denken will, wenn es in der Gegenwart läuft. In Israel sei für ihn der Spaß am Fußball zurückgekehrt, sagt er vor Wochen schon dem SWR. Fußballweltreiser erklärte er das so: „Ich bin hier auf einen eingeschworenen Haufen getroffen, der mich gut aufgenommen hat.“ Außerdem sei das ganze Drumherum etwas lockerer als in Deutschland und der Erfolg tue natürlich sein Übriges. „Wenn es läuft hat man immer mehr Spaß, wenn es nicht läuft, geht schnell die Leichtigkeit flöten“, sagt er auch mit Blick auf die Zeit in Kaiserslautern. „Da hat es am Ende ja weder den Spielen, noch den Fans noch den Verantwortlichen mehr Spaß gemacht. Von daher ist das jetzt schon ein krasses Gegenprogramm.“

Ob die Fans und das Umfeld in Netanya wegen des guten Saisonstarts auch tatsächlich zufrieden sind, weiß Heubach nicht. „Ich kann hier ja nichts lesen“, sagt er und lacht. Doch das könnte sich bald ändern, denn der 1,92-Riese will Hebräisch lernen, auch wenn er weiß, dass es nicht leicht ist. „Ich möchte mich wenigstens über die Standard-Floskeln hinaus verständigen können“, sagt er. Sein Englisch ist durchs tägliche Benutzen seit seinem Wechsel auf jeden Fall besser geworden.

„In Israel wird weniger gelaufen“

Anders als bei der Sprache musste sich der Abwehrspieler beim Kerngeschäft Fußball kaum umstellen. Zwar sei der Start wegen des wärmeren Klimas und der höheren Luftfeuchtigkeit ziemlich  anstrengend gewesen, doch das Spiel unterscheide sich kaum, von dem in Deutschland. „Es wird aber weniger gelaufen und verschoben als in der zweiten Bundesliga. Rund 10 Kilometer pro Spiel“, sagt er. Wie sich das nun in einem direkten Duell bemerkbar machen würde, darüber wagt er kein Urteil.

Noch bis zum Sommer läuft Heubachs Vertrag in Netanya. Dann hat der Verein eine Option auf ein weiteres Jahr. Doch daran denkt der Abwehrspieler nicht. Er genießt es, Teil des verschworenen Haufens zu sein, den er erst vor einigen Monaten kennengelernt hatte und hat auch außerhalb des Platzes noch einiges vor: „In Israel gibt es so viel Geschichte. Ich will da noch einiges erkunden. Da gibt es noch einige Städte und Orte, die ich mir ansehen möchte“, sagt er. Dafür hat er mindestens noch bis Juni Zeit.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s