Björn Bussmann: Eine zweite Heimat in Asturien

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Björn Bussmann im Trikot von Caudal Deportivo (Foto: Bussmann)

Seit 2014 spielt Torhüter Björn Bussmann bereits in Spanien. Zuvor davon geträumt hatte er nicht, er hat die Chance, die sich ihm geboten hat, einfach wahrgenommen. In der Sommerpause suchte der damalige Zweitligist Sporting Gijon einen Torwart für die zweite Mannschaft, weil der Keeper der ersten Mannschaft, Ivan Cuellar, eigentlich den Verein wechseln wollte. Bussmann trainierte mehrere Wochen mit, doch Cuellar blieb und für den gebürtigen Bergisch Gladbacher war kein Platz. Doch es eröffnete sich eine neue Gelegenheit – in derselben Region. Der Viertligist Caudal Deportivo aus Mieres, eine halbe Autostunde von Gijon entfernt, warb um die Dienste des ehemaligen Juniorennationalspielers und sagte zu.

Björn BussmannDer Anfang war schwer. Bussmann, der die Auslandserfahrung durch seine zwei Jahre in der Jugend der Blackburn Rovers kennt, kam ohne Spanischkenntnisse nach Mieres. „Ich konnte nicht mal ‚hola‘ sagen“, berichtet er. Und auch die Wohnsituation war milde ausgedrückt speziell. Der Verein brachte ihn für den Start in einem kleinen, dunklen Zimmer einer WG mit zwei anderen Spielern unter. Kommunikation war wegen der Sprachbarriere kaum möglich und wenn seine Freundin zu Besuch kam, musste er auf dem Boden schlafen, denn auch das Bett war zu klein. Wegen der kaputten Heizung wärmte er sein Zimmer im Winter mit einem Fön. Schließlich ist Mieres nicht Mallorca. Die Stadt liegt im Landesinneren, in den Bergen der Region Asturien. Es kann schon mal recht kühl werden, es regnet oft. Und auch sportlich musste Bussmann Rückschläge einstecken. Nachdem er in den ersten zwölf Spielen in der Tercera Division überzeugen konnte, holte sein Trainer einen neuen Torwart und tauschte Bussmann ohne Begründung aus. Diese gab es später hinter vorgehaltener Hand. Der neue Keeper und der Trainer kannten sich, waren Amigos.

Nach einem Jahr, Bussmann war schon wieder in der Heimat, denn Caudal vereinbart mit seinen Spielern stets nur Einjahresverträge, kam ein Anruf vom Präsidenten. Er wollte, dass Bussmann bleibt, es sollte auch ein neuer Trainer kommen – und der baute auf den Deutschen.

Bussmann sollte seine Entscheidung nicht bereuen. Inzwischen war er auf Anraten seiner Eltern in eine andere Wohnung umgezogen. Nach Gijon, rund 200 Meter vom Strand entfernt, ohne Mitbewohner. „Wenn man tatsächlich mal die Möglichkeit hat, so zu wohnen, sollte man das auch wahrnehmen“, sagt er. Genauso wie seine Chance im Tor. Dort hatte er sich in der Vorbereitung einen Stammplatz erspielt und erlebte die „bislang schönste Saison“ bei Caudal. Er kassierte wenige Gegentore, das zweite erst am 19. Spieltag. Zuvor hatte er einen Rekord aufgestellt. Glatte 1000 Minuten am Stück hielt er seinen Kasten sauber. Die Fans feierten ihren „Buuuus“. Am Ende stieg die Mannschaft in die dritte Liga, die Segunda B, auf.

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In seiner zweiten Saison bei Caudal feierte Bussmann (links) den Aufstieg in die Segunda B. (Foto: Bussmann)

In dieser Phase verbesserte sich sein Spanisch extrem. Er hatte zuvor immer für sich gelernt. Filme guckte er mit Untertitel, schrieb sich Worte raus, die er nicht verstand, schlug sie nach, unterhielt sich mit seinen Teamkollegen und plötzlich musste er viele Interviews geben. „Der tägliche Umgang mit der Sprache“, sagt er „ist besser als jeder Spanischkurs.“ Inzwischen spreche er zwar nicht perfekt sagt er, aber auf jeden Fall gut und flüssig.

In der vergangenen Saison machte er 22 von 38 Spielen in der dritten Spanischen Liga, zwei andere Torhüter kamen ebenfalls zum Einsatz. In dieser Saison kam mit Paco Fernandez ein neuer Trainer und mit Javier Rabanillo ein neuer Konkurrent. Bussmann sitzt seither auf der Bank. „Wir haben eine unterschiedliche Spielweise“, sagt er. „Ich spiele die Bälle kontrolliert hinten raus, baue das Spiel so auf, der andere Torwart schlägt die Bälle eher nach vorne. Das gefällt dem Trainer besser.“ Doch Bussmann ist keiner, der aufgibt. „Ich gebe im Training immer alles und das honoriert der Trainer auch. Erst neulich hatten wir ein Gespräch.“ Und Bussmann glaubt an seine Chance. „Es kann so viel passieren. Wenn er einmal ausfällt, bin ich da. Mache ich ein gutes Spiel, kann das die Hierarchie verändern.“

Inzwischen lebt Bussmann in Gijon, rund 200 Meter vom Strand entfernt. (Foto: Bussmann)

Inzwischen lebt Bussmann in Gijon, rund 200 Meter vom Strand entfernt. (Foto: Bussmann)

Trotz der sportlich nicht optimalen Situation fühlt Bussmann sich wohl bei Caudal. Der Verein wird sehr familiär geführt. Er selbst trainiert die Türhüter in der Jugend und manchmal „löse ich mit unserer Putzfrau Sudoku“, sagt er und lacht.

Die Region ist inzwischen so etwas wie Heimat geworden. In Gijon trainiert er, wenn er abends vom Training aus Mieres kommt, noch Schüler. Seine Freundin kommt ihn alle zwei Wochen besuchen. Am liebsten würde er auch nach der Karriere hier wohnen. „Ich fühle mich einfach richtig wohl“, sagt er und wischt Gedanken an die Zukunft weg. „Man weiß ja nie, wo man landet. Wenn ich aber tatsächlich irgendwann den Verein verlassen sollte, würde ich schon gerne hier bleiben.“ Hier das ist Spanien, die nördliche Region Asturien, wo Strand und Berge zum Skifahren nur 30 Minuten voneinander entfernt sind. Hier will Bussmann bleiben – und bald möglichst wieder auch in Spielen im Tor stehen.

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