Kai Druschky: „In Italien stehen die Emotionen im Vordergrund“

Kai Druschky

Schon dreimal traf Kai Druschky im Trikot von Trastevere Calcio (Foto: All around the Game Sportsmanagement)

Im Winter 2016 sollte die Profi-Karriere für Kai Druschky losgehen. Der traditionsreiche Ruhrpott-Klub Rot-Weiss Essen verpflichtete den Stürmer, der bislang bei International Leipzig in der Oberliga unter Vertrag stand, für 20.000 Euro. Es sollte richtig losgehen, doch es kam anders: Druschky brach sich eine Woche vor dem Start in die Rückrunde den Knöchel. Zweimal musste er operiert werden, für die Mannschaft aus dem Pott sollte er kein Pflichtspiel absolvieren. Doch in dieser Zeit reifte in dem gebürtigen Berliner der Entschluss nach Italien zu wechseln. Für das Ziel Italien, das Fußballsehnsuchtsland der frühen 1990er Jahre gibt es zwei Gründe. Zum einen war Druschky mit einer Italienerin zusammen, plante gemeinsam mit ihr den Schritt in den Süden zu wagen und ließ sich auch nach dem Ende der Beziehung nicht mehr davon abbringen. Auch, weil er die Spielkultur dort sehr schätzt. „Dort stehen die Emotionen noch mehr als in anderen Ländern im Vordergrund. Das ist bei mir auch so“, sagt er. Auch seine Vorbilder sind Italiener: Milan-Legende Filippo Inzaghi und Gianfranco Zola.

DruschkyDoch vor seinem Wechsel ins Ausland ging es für Druschky noch einmal zurück zu Inter Leipzig in die Oberliga. Sein alter und neuer Klub hatte gerade Stürmer Bocar Djumo an den Nordost-Regionalligisten Oberlausitz Neugersdorf abgegeben und war nun auf der Suche nach Verstärkung. Und auch Druschky wollte vor dem Italien-Abenteuer noch Spielpraxis sammeln. In Essen wäre das schwierig geworden, sagt er. Dort hätten sie aufgrund seiner Verletzung schon Spieler auf seiner Position nachverpflichtet.

Nach einem halben Jahr an alter Wirkungsstätte ging es dann im Sommer 2017 nach Italien. Über seine Berater Andreas Ryll und Andrea Mencarelli kam der Kontakt zum Viertligisten Trastevere Calcio in Rom zustande. Der 1909 gegründete Verein gilt als Nummer drei in der italienischen Hauptstadt nach den großen Serie A-Klubs Roma und Lazio. Und er hat ein sehr prominentes ehemaliges Mitglied. Am 24. Oktober 1985 wurde der damals neun Jahre alte Francesco Totti mit der Mitgliedsnummer 097264 beim Verein registriert. Ein Jahr spielte er für die Amarant-Weißen, ehe er zu Lodigani und schlussendlich zur Roma wechselte, wo er am 28. Mai 2017 seine Karriere beendete.

Der Start bei Trastevere war für Druschky nicht leicht. „Ich wurde von den Mitspielern schon komisch angeguckt, als ich da aufgetaucht bin und die Sprache nicht gesprochen habe“, sagt er. Wie in jedem anderen Verein sei er als der Neue auch hart rangenommen worden: „Gerade im körperlichen Bereich hat man gemerkt, dass die erstmal sehen wollten, was ich für einer bin.“ Doch die Eingewöhnungszeit dauerte nicht all zu lange. Denn Druschky ist keiner, der sich wegduckt, oder bei „kleinen Wehwehchen“ sofort aussetzt. Blaue Flecken, sagt er, gehören für ihn zum Fußball dazu. Über seine Leistung und seine Einstellung zum Sport konnte der einzige Legionär im Team schnell die Mannschaft und die Trainer von sich überzeugen. Inzwischen klappt es auch mit der Sprache. Seit elf Wochen lernt er Italienisch. „Jeden Tag übe ich“, sagt er. Bald will er neben dem Sport auch noch einen Kurs in der Schule besuchen. Für das alltägliche Leben und die Kommandos der Trainer und Mitspieler reicht es aber jetzt schon. Auch Facebook-Posts verfasst der Stürmer inzwischen auf Italienisch.

Die Tinte ist trocken: Kai Druschky unterschreibt bei Trastevere Calcio (Foto: All Around the Game Sports Managemant)

Die Tinte ist trocken: Kai Druschky unterschreibt bei Trastevere Calcio (Foto: All around the Game Sportsmanagement)

Eine Umstellung, die letztendlich doch keine war, hätte auch der Kunstrasenplatz sein können, auf dem Trastevere und viele Ligakonkurrenten spielen. „Wir haben hier einen Platz der neuesten Genaration“, sagt Druschky. „Ich hatte auch erst Bedenken, ich kenne ja die Plätze, die es so in Berlin gibt. Aber unser Platz hier ist richtig gut, man kann problemlos mit Rasenschuhen spielen.“

Den Saisonstart hätte sich Druschky kaum besser vorstellen können. Gleich im ersten Spiel stand er in der Startelf. „Das war zwar der Wunsch, mit dem ich hierher gekommen bin, selbstverständlich ist das aber nicht“, sagt er. Und Druschky ließ sich nicht viel Zeit, dem Trainer das Vertrauen, das er bekam, auch zurückzuzahlen. Nach nicht mal zwei Pflichtspielminuten im Dress von Trastevere Calcio netzte der Berliner erstmals ein. Bei der bisher einzigen Niederlage am dritten Spieltag musste er wegen einer Zerrung im Gesäßmuskel aussetzen. Stand Druschky auf dem Platz, hat sein Team auch gewonnen. In drei Spielen erzielte er drei Tore. Zuletzt traf er doppelt beim 4:1-Sieg gegen Anzio Calcio und steht mit seinem Verein auf dem dritten Platz.

Bei seinem Debüt für Trastevere traf Kai Druschky nach nur zwei Minuten erstmals das Tor (Foto: All around the Game Sportsmanagement)

Bei seinem Debüt für Trastevere traf Kai Druschky nach nur zwei Minuten erstmals das Tor (Foto: All around the Game Sportsmanagement)

Seine Spielweise, die sich von vielen anderen Mittelstürmern in der Serie D unterscheidet, macht ihn besonders wertvoll für Trainer Aldo Gardini. „Ich habe andere Laufwege, auch weil ich den deutschen Fußball noch drin habe“, sagt er. In der Serie D spielen die meisten Teams in einem 4-3-3 mit einem Wandspieler als Mittelstürmer. Doch darauf beschränkt sich Druschky, der ebenfalls die zentrale Rolle in vorderster Front einnimmt, nicht: „Ich laufe viel an, gehe tief, komme kurz, kann auch zum Kopfball gehen, bin einfach flexibler. Bis jetzt kommt das ganz gut an.“

Druschky will auch weiter gut ankommen. Sein Ziel ist es, sich in Italien durchzusetzen, es dort in die Profi-Ligen zu schaffen. „In zwei Jahren würde ich gerne in der Serie B spielen“, sagt der Stürmer, der seinen Abschluss mit dem linken Fuß als größte Stärke bezeichnet. „Aber ich weiß, dass ich dafür jeden Tag hart arbeiten muss und am Ende auch ein bisschen Glück dazu gehören wird.“

Den Schritt in die drittklassige Lega Pro, die unterste Profi-Liga Italiens, könnte er auch bereits in diesem Jahr mit seinem aktuellen Verein schaffen. Im vergangenen Jahr landete Trastevere auf Platz zwei der Viertliga-Staffel, scheiterte erst in den Aufstiegs-Playoffs. „In diesem Jahr wollen wir wieder oben mitspielen“, sagt Druschky. Das Wort Aufstieg will er so früh in er Saison aber nicht in den Mund nehmen: „Das haben wir uns auch nicht direkt als Ziel gesetzt“, sagt er. Eine Rückkehr nach Deutschland sei indes aber nicht mit seinen Profiplänen vereinbar. „Dafür bin ich mit 24 Jahren eigentlich schon zu alt, da ist die Tür wohl zu“, sagt er. „In Italien ticken die Uhren aber langsamer. Hier spielen in der ersten und zweiten Liga noch 36-Jährige im Sturm. Hier habe ich die Chance mich zu entwickeln und den Durchbruch zu schaffen.“

Sollte die Saison so weitergehen, wie sie begonnen hat, wäre ein Anfang gemacht. Und so hätte die lange Leidenszeit in Essen doch noch sein Gutes gehabt. Denn hier wurde die Idee fixiert, den Weg nach Rom zu gehen.

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