Bajram Nebihi: In Thailand baut man auf seine Stärken

So wirklich gekannt hat Bajram Nebihi die thailändische Stadt Ubon Ratchathani nicht, bevor er dorthin wechselte – und doch hat er dort, im Grenzbereich zu Laos und Kambodscha gefunden, was er gesucht hatte. Seit Anfang des Jahres steht er bei Ubon UMT United unter Vertrag. Die Mannschaft ist zum Jahreswechsel in die erste thailändische Liga aufgestiegen, steht jetzt auf einem guten neunten Platz der 18 Vereine umfassenden Meisterschaft. Daran hat auch Nebihi seinen Anteil: Elf Tore und zwei Vorlagen steuerte er bei. Das ist im kompletten Land nicht verborgen geblieben. „Ich habe jetzt schon lose Anfragen aus der ganzen Liga, die wollen, dass ich im nächsten Jahr für die spiele“, sagt Nebihi. Und auch der Ligaführung sind seine Leistungen nicht verborgen geblieben. Der Kosovare, der in Deutschland aufgewachsen ist, wurde für das Allstar-Game gegen die Nationalmannschaft des Landes in die Liga-Auswahl berufen.

Im Alter von 29 Jahren scheint Nebihi, der neben Stationen in Finnland, im Iran und in der Türkei in Deutschland unter anderem für den FC Augsburg und Union Berlin spielte, in Thailand noch einmal richtig durchzustarten. „Hier wird meine Spielweise mehr geschätzt“, sagt er. „In Deutschland haben mir dir Trainer immer gesagt ‚du bist gut, aber…‘. Das gibt es hier nicht. Die mögen meine Spielweise.“ Seine Art Fußball zu spielen: Die ist schön anzusehen. Nebihi ist ein technisch starker Spieler, einer der immer wieder das Dribbling sucht und so den Unterschied ausmachen kann. Das wird in Thailand honoriert.

In Deutschland störte man sich zu oft an dem „kann“. Daran nämlich, dass nicht jedes Dribbling gut ging. Nebihi sagte vor einem Jahr in einem Gespräch mit den Stuttgarter Nachrichten selbstkritisch: „Wenn du elf Spieler wie mich auf dem Platz hast, verlierst du jedes Spiel.“ Doch das Risiko nehmen sie bei Ubon United gerne in Kauf. Dort ist er einer von drei Ausländern im Team, so viele sind erlaubt. Als einziger wurde er im Sommer nicht ausgetauscht. „Das kann hier ganz schnell gehen“, sagt er. Seine beiden Ex-Kollegen kamen mit ihm gemeinsam zum Verein, weil sie nicht sofort lieferten, wurden sie ausgezahlt und wieder weggeschickt, zwei neue wurden verpflichtet. Nebihi hat sich durchgesetzt. Auch, weil der englische Trainer Scott Cooper auf ihn zählt. „Er gibt mir das Vertrauen, das ich brauche, um meine Leistung abzurufen“, sagt Nebihi, der sich beim Gespräch mit Fußballweltreiser gerade mit Pasta stärkte. „Und er lässt mich auf der Zehn spielen. Es läuft gut im Moment.“

In Ubon ist Nebihi ein Star. Wenn er zwischen Training, Spielen und Regeneration das vom Verein gestellte Haus in einem gesicherten Bereich der Stadt verlässt, wollen Fans regelmäßig Fotos machen, sich Autogramme holen. „Die Leute hier sind richtig verrückt“, sagt er. „Als ich in Deutschland zweite Bundesliga gespielt habe, hat mich keiner Erkannt. Da konnte ich hingehen, wo ich wollte, hier ist das anders.“ Auch im Stadion gehen die Fans gut mit, versichert Nebihi.

NebihiÜberhaupt fühlt er sich in Ubon, einer Region, in der nicht viele Ausländer leben oder Touristen sich hinverirren sehr wohl. „Die Leute sind supernett“, sagt er. „Sie haben immer ein Lächeln auf den Lippen.“ Froh ist er aber trotzdem über vertraute Gesichter, ab und an kommen ihn seine Mutter oder seine Schwester besuchen, wenn es die Zeit zulässt.

Seine nähere Zukunft sieht Nebihi auch deshalb klar in Thailand. „Hier wird geschätzt wie ich spiele“, sagt er noch einmal. Denn das ist ihm wichtig. „Die Leute mögen es, wenn ich zwei, drei Spieler aussteigen lasse.“ Die Spielweise ist am anderen Ende der Welt eben eine andere, wohl auch, weil Thailand noch als Fußball-Entwicklungsland gilt. Das sieht man den Spielen auch an. „Meist sind es die Ausländer, die den Unterschied machen“, sagt Nebihi, will damit seine einheimischen Teamkollegen nicht schlechtreden: „Fußballerisch sind viele gut, aber taktisch und körperlich fehlt ihnen doch einiges. Der eine oder andere kann aber sicher auch in Deutschland zweite oder dritte Liga spielen.“

Nebihi hingegen hat die deutsche Fußballschule durchlaufen, kennt taktisches und körperliches Spiel. Das und seine technische Beschlagenheit machen ihn auch für die Topteams der Liga interessant. Mehr Aufmerksamkeit würde sich Nebihi dieser Tage auch vom kosovarischen Fußballverband wünschen, für den er vor dem Start der offiziellen Länderspiele viermal in Freundschaftsspielen aufgelaufen war. „Aktuell besteht kein Kontakt“, sagt Nebihi. Der Wunsch besteht aber weiterhin. Genauso wie der grundsätzliche Wunsch, wieder in Deutschland in der ersten oder zweiten Liga zu spielen. Doch der kreative Mittelfeldspieler weiß, dass das schwer zu realisieren sein wird. Und eigentlich muss er aus Thailand auch nicht weg. „Ich habe Spaß, das Wetter ist gut und ich habe hier, was ich brauche“, sagt er. Die Wertschätzung seiner Spielweise allen voran.

2 Kommentare zu “Bajram Nebihi: In Thailand baut man auf seine Stärken

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