Christopher Mandiangu: Mit dem Auto ins Ausland

Es war das eigene Auto, das Christopher Mandiangu im Sommer 2015 zum Legionär machte. Mit einem Kumpel fuhr der damals 23-Jährige aus seiner Heimat Mönchengladbach nach Maastricht. Auf eigene Faust organisierte er sich ein Probetraining, durfte auch in einem Testspiel auflaufen. „Der Verein war interessiert, aber er hat sich viel Zeit gelassen.“ Die Chance kam dann im Testspiel. Nach der Partie kam er mit dem gegnerischen Kapitän Chiró N’Toko, der ebenfalls kongolesische Wurzeln hat, ins Gespräch, der ihm vorschlug, es doch einmal bei seinem Verein, dem FC Eindhoven zu probieren. Dort klappte es, Mandiangu erhielt seinen ersten Vertrag im Ausland.

MandianguZuvor lief die Karriere des offensiven Mittelfeldspielers, der mit seinen Eltern im Alter von drei Monaten vor dem Krieg aus Zaire (heute demokratische Republik Kongo) nach Deutschland kam, so gradlinig, wie eine Laufbahn beginnen kann. Seit der U10 spielte Mandiangu für Borussia Mönchengladbach, durchlief alle Stationen bis zur U23. Mit 16 bekam er seinen ersten Vertrag, mit 18 trainierte er immer wieder mit den Profis mit. Er spielte von der U15 bis zur U18 für den DFB, an der Seite von Mario Götze und Marc-André ter Stegen. Doch irgendwann hakte es. „Irgendwann bekam ich einen Trainer mit dem ich nicht so zurechtkam“, sagt Mandiangu. Der baute nicht immer auf ihn, dass kann er nicht und es kratzte am Selbstvertrauen. Aber er will die Schuld für seine Stagnation nicht wegschieben. „Ich habe mich auch zu viel ausgeruht. Vielleicht lag es daran, dass ich schon sehr früh sehr viel Geld verdient habe. Ich habe aufgehört, hart genug an mir zu arbeiten“, sagt er. „Ich dachte, ich sei schon weiter, als ich es eigentlich war. Aber ich habe daraus gelernt.“

Sein Weg bekam einen Knick, er wechselte in die zweite Mannschaft des MSV Duisburg in die Regionalliga, trainierte auch da immer wieder mit der ersten Mannschaft, doch der Verein hatte finanzielle Probleme, es kam zur Trennung. Mandiangu gab nicht auf, versuchte es wieder in der Regionalliga. Diesmal im Osten. Mit der TSG Neustrelitz wurde er Meister, scheiterte aber in den Aufstiegsspielen. Dann schloss er sich dem BFC Dynamo an, doch auch da wollte ihm der Durchbruch nicht gelingen. „Es war eine schwierige Phase für mich“, erzählt er. „Spieler, mit denen ich früher Juniorennationalmannschaft gespielt habe, wurden immer erfolgreicher und bei mir stagnierte die Karriere.“ Er entschied sich, es ganz anders zu probieren. Mit Regionalliga sollte auf jeden Fall Schluss sein. Also stieg er mit einem Kumpel ins Auto und machte sich, durch gute Leistungen und seine offene Art einen Vertrag bei Eindhoven klar.

In Eindhoven konnte er überzeugen und wechselte nach einem starken halben Jahr nach Schottland zum Hamilton Academical FC in die erste Liga. Doch auch dort, war das Schicksal nicht auf seiner Seite. Vier Tage nachdem Trainier Alex Neil den Deutschen geholt hatte, war der Trainer schon wieder weg. Martin Canning übernahm – und plante offensichtlich nicht mit dem ehemaligen Juniorennationalspieler. Nur einmal stand Mandiangu für Hamilton auf dem Platz, im Pokal, am letzten Arbeitstag von Coach Neil. Aber auch hier will Mandiangu nicht alles auf die Umstände schieben. „Der Fußball da war tatsächlich nichts für mich“, sagt er mit etwas Abstand.

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Seine nächste Station, der slowakische Klub MSK Zilina sollte sein Sprungbrett sein. Doch auch da konnte er sich trotz einer guten Vorbereitung nicht durchsetzen. Auf seiner Position spielte sich Filip Hlohovsky schnell fest und wurde beim späteren Meister Torschützenkönig. Also verließ Mandiangu auch diesen Verein nach nur einem halben Jahr und ging nach Österreich. Beim FC Blau-Weiß Linz spielte er in der zweiten Liga, machte acht Spiele, ehe im Sommer 2017 der nächste Wechsel anstand. Nach Armenien, zu Gandzasar Kapan. Ein Grund für den Wechsel war auch das Geld, gibt Mandiangu ehrlich zu. „Ich habe in meinem Leben bislang nur Fußball gespielt und wenn meine Karriere vorbei ist, muss ich erstmal was anderes lernen. Bis dahin muss ich mir ein Polster zusammensparen.“

Armenien war definitiv eine Umstellung, sagt er. „Aber ich muss mich anpassen. Aber das musste ich auch schon, als ich nach Ostdeutschland gewechselt bin“, sagt er. Natürlich vermisse er auch ab und an die deutsche Pünktlichkeit, aber es sei eben ein anderes Land. Und auch der Liga-Betrieb dort war ein anderer. Sechs Teams spielen in der höchsten Spielklasse, viermal spielen sie im Laufe der Saison gegeneinander. Nach nur zwei Monaten stand dann der nächste, bislang letzte Wechsel an. Mandiangu hatte nach den Auftritten in der Europa League Qualifikation schnell neue Angebote auf dem Tisch. Eines davon vom israelischen Zweitligisten Hapoel Kfar Saba. „Mir gefiel das Paket und auch die Liga ist attraktiv. Ich habe mich dann mit meinem Berater zusammengesetzt und dann hat es trotz laufenden Vertrages geklappt.“ Der Verein hat viel Tradition und auch die Stadt ist historisch. Die Ursprünge der Besiedlung der 95.000-Einwohner-Stadt, die rund eine halbe Autostunde von Tel-Aviv entfernt ist, liegen in der Zeit ums Jahr 0. Den Verein gibt es seit 1928, er wurde 1982 israelischer Meister und dreimal Pokalsieger (1975, 1980, 1990). In der vergangenen Saison stieg das Team in von der ersten in die zweite Liga ab, jetzt soll es wieder nach oben gehen – mit Mandiangu.

Wie auch bei seinen vorangegangen Stationen wird die Sprache für den Mönchengladbacher kein Hindernis sein. Mandiangu spricht fünf Sprachen. Neben Deutsch und Englisch auch Niederländisch, das er wegen der Grenzlage Mönchengladbachs von Freunden lernte. Dazu Französisch und Lingala, die Sprachen, die im Kongo gesprochen werden. „Ich finde immer jemanden, der eine Sprache spricht, dich ich auch kann“, sagt er. Obwohl es immer Dolmetscher gab, versucht er darauf zu verzichten. Er möchte selbst mit den Menschen vor Ort in Kontakt kommen, zeigen, dass er zu ihnen gehören will. „Es gehört sich nicht, wenn man überall mit jemandem hinkommt, der alles übersetzt, nur weil man sich nicht mit der Sprache und den Leuten auseinandersetzen möchte“, sagt Mandiangu. „Du kannst ja nicht, nur weil du aus Deutschland kommst so tun, als ob du was Besseres bist.“

Aufgrund seiner Vita erwarten viele Klubverantwortliche aber genau das von dem ehemaligen Juniorennationalspieler. Das war schon bei einigen Stationen so. Für Mandiangu sei das aber in Ordnung, er werde auch entsprechend bezahlt und will selbst immer Topleistungen bringen. Der Druck gehöre dazu, auch wenn er weiß, dass die Geduld der Verantwortlichen in kleineren Ligen, wo viel von privaten Investoren abhänge, begrenzt ist. „Die buttern wirklich viel Geld in die Vereine, auch in die Spieler, aber dafür wollen die auch was sehen. Das ist schon krasser als in Deutschland“, sagt er. „Einigen fehlt da das Verständnis dafür, dass sich ausländische Spieler auch erstmal eingewöhnen müssen, aber ich boxe mich da durch.“

In Kfar Saba hat Mandiangu einen Vertrag bis zum Saisonende, zudem hat der Verein eine Option auf ein weiteres Jahr. Was danach kommt, weiß er noch nicht. Womöglich bietet sich nach einem oder zwei guten Jahren, idealerweise mit einem Aufstieg, auch eine andere Möglichkeit. Doch an Wechsel denkt er nun erstmal nicht, sondern daran in einem guten Umfeld Fußball zu spielen.

In seinem ersten Spiel für Kfar Saba spielte der offensive Mittelfeldspieler beim 2:0 gegen Bney Lod gleich von Beginn an, ebenso beim aufreibenden 4:3 bei Beitar Tel Aviv Ramla. Seine Mannschaft steht auf Platz zwei in der Tabelle. Die ersten acht qualifizieren sich für die Aufstiegsrunde, in die die Punkte aus der Gesamtsaison mitgenommen werden. Am Ende steigen die ersten beiden auf.

Doch das ist noch Zukunftsmusik. Sicher ist nur, Mandiangu macht seinen Weg. Er verläuft nicht mehr so gradlinig, wie er begonnen hatte, aber geht weiter und führt ihn zu Orten, für die er dankbar ist, sie gesehen zu haben. Unter Umständen führt der Weg Mandiangu auch eines Tages noch nach Ostasien. Dort verbrachte er nämlich den letzten Sommer, als er einen befreundeten Spielerberater besuchte und sich die Gegebenheiten anschaute. Im Fußball ist nichts unmöglich.

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