Patrick Reichelt: Auf den Philippinen begann das Profi-Leben

Ein Kreuzbandriss im linken Knie wurde für Patrick Reichelt zum Startschuss in eine Fußballerkarriere, die er sich so nie vorgestellt hätte. Mit 22 Jahren wechselte der gebürtige Berliner in die zweite Mannschaft des damaligen Zweiligisten Energie Cottbus. Doch die schwere Knieverletzung verhinderte seinen Durchbruch. So war es Michael Weiß, der dem Sohn einer Phillippina und eines Deutschen Starthilfe gab. Gerade war der Dannenfelser Trainer der Nationalmannschaft im Land von Reichelts Mutter – und er lies nichts unversucht, den schnellen Rechtsaußen in den Pazifikstaat zu lotsen. Nach einer langen Reha und einem kurzen Engagement beim damaligen Oberligisten TSG Neustrelitz willigte Reichelt im Frühjahr 2012 ein. „Es musste ganz schnell gehen“, erinnert sich Reichelt. „Michael Weiß hatte mir einen Vertrag beim FC Global in Cebu besorgt. Ich hatte fünf Tage Zeit, meine Sachen zu packen und alles zu regeln.“

ReicheltEine Wohnung stellte der Verein, der Vertrag sollte erstmal drei Monate laufen. „Ich habe das ganze als Ausflug gesehen. Ich wollte Land und Leute kennenlernen und meine Chancen beim Nationalteam ausloten“. Und die waren richtig gut. Nur wenige Wochen nach seiner Ankuft, lud ihn Weiß zu Trainingslagern der Azkals, wie die Nationalmannschaft von ihren Fans genannt wird, ein. Einem neuen Vertrag bei Global folgte das Debüt für die Auswahl der Philippinen: Beim 2:0 in Vietnam wurde er in der 61. Minute für James Younghusband eingewechselt. Zwei Monate später stand das nächste Länderspiel an. Wieder gegen Vietnam. „Das war mein Durchbruch“, sagt Reichelt über den Auftritt im Suzuki-Cup, der Südostasien-Meisterschaft. Dabei waren die Voraussetzungen keine Guten. „Ich hatte im Training zuvor einen Ellenbogen ins Gesicht bekommen, konnte nur durch einen Strohhalm essen, aber der Trainer hat mich trotzdem von Beginn an aufgestellt.“ Reichelt machte ein gutes Spiel und wurde anschließend zum Mann des Spiels gewählt.

Im Sommer 2013 wagte er noch einmal einen Länderwechsel, schloss sich für ein halbes Jahr dem Port FC in Thailand an. Dann ging es zurück auf die Philippinen, zu den Ceres Negros, wo er bis heute spielt. „Ich habe hier meine fußballerische Heimat gefunden“, sagt er. An die Unterschiede zu Europa musste aber auch er sich gewöhnen. „Die Liga ist hier erst im Entstehen“, sagt er. „Fußball ist hier nicht die Sportart Nummer eins. Basketball dominiert. Die sind zugegebenermaßen auch erfolgreicher.“ Aktuell bekommt die Nationalmannschaft nicht mal das Stadion voll. Anders ist es bei seinem Heimverein Ceres. „Wir spielen in Bacolod, da sind alle Fußballverrückt. Da ist richtig Stimmung. Für die sind wir Helden.“

Nicht nur was die Fußballbegeisterung, auch was die Mentalität angeht, musste sich Reichelt anpassen. „In Deutschland ist alles sehr durchorganisiert. Das ist hier überhaupt nicht der Fall. Hier lebt jeder in den Tag hinein. Das ist im normalen Leben so, aber auch bei den Organisatoren der Liga. Bei den besten vier oder fünf Mannschaften entstehen gerade Strukturen und es wird immer besser“, sagt er. „Aber aktuell müssen wir Spieler, die in Europa aufgewachsen sind, uns noch mehr anpassen und Dinge einfach mal geschehen lassen.“

Probleme mit dem Geld hatte es trotz der schlechten Organisation nie gegeben. „Da hat immer alles geklappt“, sagt Reichelt. Es gibt die Klub-Bosse, die sich einen Fußballverein als Hobby halten. „Die bekommen hier nicht viel wieder zurück, dafür ist der Fußball hier noch zu unpopulär.“

Aber Reichelt und seine Mitspieler bei Ceres und in der Nationalmannschaft arbeiten dran. Der Berliner, der auf den Philippinen seine Verlobte kennengelernt hat, will erst wieder nach Deutschland zurück, wenn es mit dem Fußballspielen vorbei ist. Dann würde er dem Fußball gerne verbunden bleiben – und auch der Region. „Ich könnte mir vorstellen, als Agent, Experte oder sowas für Südostasien zu arbeiten.“ Vorher will Reichelt, der sich aktuell von seinem zweiten Kreuzbandriss erholt und nach einem Tor im Comebackspiel wieder richtig in Form kommt, noch einiges auf dem Platz erreichen. Mit dem Verein hat er in diesem Jahr die Chance auf die Meisterschaft und auch schon das ASEAN-Regionalfinale des AFC-Cups gewonnen. Und mit der Nationalmannschaft träumt er von einer weiteren erfolgreichen Teilnahme am Suzuki-Cup.

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