Björn Bussmann: Eine zweite Heimat in Asturien

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Björn Bussmann im Trikot von Caudal Deportivo (Foto: Bussmann)

Seit 2014 spielt Torhüter Björn Bussmann bereits in Spanien. Zuvor davon geträumt hatte er nicht, er hat die Chance, die sich ihm geboten hat, einfach wahrgenommen. In der Sommerpause suchte der damalige Zweitligist Sporting Gijon einen Torwart für die zweite Mannschaft, weil der Keeper der ersten Mannschaft, Ivan Cuellar, eigentlich den Verein wechseln wollte. Bussmann trainierte mehrere Wochen mit, doch Cuellar blieb und für den gebürtigen Bergisch Gladbacher war kein Platz. Doch es eröffnete sich eine neue Gelegenheit – in derselben Region. Der Viertligist Caudal Deportivo aus Mieres, eine halbe Autostunde von Gijon entfernt, warb um die Dienste des ehemaligen Juniorennationalspielers und sagte zu.

Björn BussmannDer Anfang war schwer. Bussmann, der die Auslandserfahrung durch seine zwei Jahre in der Jugend der Blackburn Rovers kennt, kam ohne Spanischkenntnisse nach Mieres. „Ich konnte nicht mal ‚hola‘ sagen“, berichtet er. Und auch die Wohnsituation war milde ausgedrückt speziell. Der Verein brachte ihn für den Start in einem kleinen, dunklen Zimmer einer WG mit zwei anderen Spielern unter. Kommunikation war wegen der Sprachbarriere kaum möglich und wenn seine Freundin zu Besuch kam, musste er auf dem Boden schlafen, denn auch das Bett war zu klein. Wegen der kaputten Heizung wärmte er sein Zimmer im Winter mit einem Fön. Schließlich ist Mieres nicht Mallorca. Die Stadt liegt im Landesinneren, in den Bergen der Region Asturien. Es kann schon mal recht kühl werden, es regnet oft. Und auch sportlich musste Bussmann Rückschläge einstecken. Nachdem er in den ersten zwölf Spielen in der Tercera Division überzeugen konnte, holte sein Trainer einen neuen Torwart und tauschte Bussmann ohne Begründung aus. Diese gab es später hinter vorgehaltener Hand. Der neue Keeper und der Trainer kannten sich, waren Amigos.

Nach einem Jahr, Bussmann war schon wieder in der Heimat, denn Caudal vereinbart mit seinen Spielern stets nur Einjahresverträge, kam ein Anruf vom Präsidenten. Er wollte, dass Bussmann bleibt, es sollte auch ein neuer Trainer kommen – und der baute auf den Deutschen.

Bussmann sollte seine Entscheidung nicht bereuen. Inzwischen war er auf Anraten seiner Eltern in eine andere Wohnung umgezogen. Nach Gijon, rund 200 Meter vom Strand entfernt, ohne Mitbewohner. „Wenn man tatsächlich mal die Möglichkeit hat, so zu wohnen, sollte man das auch wahrnehmen“, sagt er. Genauso wie seine Chance im Tor. Dort hatte er sich in der Vorbereitung einen Stammplatz erspielt und erlebte die „bislang schönste Saison“ bei Caudal. Er kassierte wenige Gegentore, das zweite erst am 19. Spieltag. Zuvor hatte er einen Rekord aufgestellt. Glatte 1000 Minuten am Stück hielt er seinen Kasten sauber. Die Fans feierten ihren „Buuuus“. Am Ende stieg die Mannschaft in die dritte Liga, die Segunda B, auf.

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In seiner zweiten Saison bei Caudal feierte Bussmann (links) den Aufstieg in die Segunda B. (Foto: Bussmann)

In dieser Phase verbesserte sich sein Spanisch extrem. Er hatte zuvor immer für sich gelernt. Filme guckte er mit Untertitel, schrieb sich Worte raus, die er nicht verstand, schlug sie nach, unterhielt sich mit seinen Teamkollegen und plötzlich musste er viele Interviews geben. „Der tägliche Umgang mit der Sprache“, sagt er „ist besser als jeder Spanischkurs.“ Inzwischen spreche er zwar nicht perfekt sagt er, aber auf jeden Fall gut und flüssig.

In der vergangenen Saison machte er 22 von 38 Spielen in der dritten Spanischen Liga, zwei andere Torhüter kamen ebenfalls zum Einsatz. In dieser Saison kam mit Paco Fernandez ein neuer Trainer und mit Javier Rabanillo ein neuer Konkurrent. Bussmann sitzt seither auf der Bank. „Wir haben eine unterschiedliche Spielweise“, sagt er. „Ich spiele die Bälle kontrolliert hinten raus, baue das Spiel so auf, der andere Torwart schlägt die Bälle eher nach vorne. Das gefällt dem Trainer besser.“ Doch Bussmann ist keiner, der aufgibt. „Ich gebe im Training immer alles und das honoriert der Trainer auch. Erst neulich hatten wir ein Gespräch.“ Und Bussmann glaubt an seine Chance. „Es kann so viel passieren. Wenn er einmal ausfällt, bin ich da. Mache ich ein gutes Spiel, kann das die Hierarchie verändern.“

Inzwischen lebt Bussmann in Gijon, rund 200 Meter vom Strand entfernt. (Foto: Bussmann)

Inzwischen lebt Bussmann in Gijon, rund 200 Meter vom Strand entfernt. (Foto: Bussmann)

Trotz der sportlich nicht optimalen Situation fühlt Bussmann sich wohl bei Caudal. Der Verein wird sehr familiär geführt. Er selbst trainiert die Türhüter in der Jugend und manchmal „löse ich mit unserer Putzfrau Sudoku“, sagt er und lacht.

Die Region ist inzwischen so etwas wie Heimat geworden. In Gijon trainiert er, wenn er abends vom Training aus Mieres kommt, noch Schüler. Seine Freundin kommt ihn alle zwei Wochen besuchen. Am liebsten würde er auch nach der Karriere hier wohnen. „Ich fühle mich einfach richtig wohl“, sagt er und wischt Gedanken an die Zukunft weg. „Man weiß ja nie, wo man landet. Wenn ich aber tatsächlich irgendwann den Verein verlassen sollte, würde ich schon gerne hier bleiben.“ Hier das ist Spanien, die nördliche Region Asturien, wo Strand und Berge zum Skifahren nur 30 Minuten voneinander entfernt sind. Hier will Bussmann bleiben – und bald möglichst wieder auch in Spielen im Tor stehen.

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Timo Utecht: In Thailand trainiert er sich selbst

Am 12. Oktober 2014 gab Timo Utecht sein Regionalliga-Debüt für Wormatia Worms und wurde damit zum bis dahin jüngsten Torwart, der für die Fußballmannschaft aus der historisch bedeutenden Stadt aufgelaufen war. Doch für Worms spielt Utecht nicht mehr. Über die Zwischenstation VfR Mannheim zog es ihn nach Thailand. Dort spielt er bei BCC Tero, dem Farmteam von BEC Tero in der vierten Liga des Landes. Der Kontakt zum Bangkoker Verein kam über einen Bekannten zustande, der für „Thai Bavaria“, einen Kooperationspartner von Bayern München, arbeitet. Utecht bekam einen Vertrag und verdient dort auch „ganz gut“ wie er sagt. Ein großer Vorteil bei diesem Verein, der auch mit „Thai Bavaria“ zusammenarbeitet, ist die gute Organisation. „Sie unterstützen mich viel bei der Beschaffung von Visa, ich bekomme pünktlich Gehalt und die Bedingungen sind gut“, sagt Utecht. Nur einmal musste er eingreifen. Er bat seinen Torwarttrainer, sich verstärkt auf die Jugend zu konzentrieren. Seither konzipiert er mit dem Assistenten des Torwarttrainers seine eigenen Übungen. „Wir schauen uns Videos vom Training von Schalke oder Kaiserslautern an und lernen viel“, sagt der Keeper. „Auch meine Torwartkollegen aus Thailand profitieren davon, auch wenn so harte Arbeit für viele von ihnen erstmal ungewohnt ist.“ Dennoch ist das Training professionell. Es gibt zwei Einheiten am Tag.

UtechtUnd das zahlt sich aus. Bis zur kurzen Spielpause im August hielt Utecht 24 Ligaspielen achtmal die Null, kassierte nur 24 Gegentore. „Die Statistik spricht für mich“, sagt er. Und das tut sie wirklich, wenn man bedenkt, dass die Spielphilosophie in weiten Teilen Südostasiens eine ganz andere ist. „Hier wollen die Verantwortlichen lieber ein 5:4 sehen als ein 1:0.“ Daher sind Torhüter auch nicht immer hoch im Kurs, wie Utecht schon selbst bemerken musste. „Der Markt für die Position ist in Südostasien gar nicht wirklich da“, sagt er. „Die Position ist mehr ein notwendiges Übel. Nur die wenigsten Vereine hier würden Geld für einen Torwart ausgeben.“

Und doch schaut man auch in Thailand auf die großen deutschen Keeper wie Manuel Neuer, Marc-André ter Stegen und die Legende Oliver Kahn. Und das erhöht die Erwartungshaltung auch für Utecht, der diesem beinahe unfairen Vergleich standhalten muss. „Der Druck war schon groß“, sagt er über seine ersten Wochen in der neuen Wahlheimat. „Aber das hat mich gepusht. Ich habe sehr hart an mir gearbeitet. Habe ein paar Kilo abgespeckt und mit Leistung gezeigt, dass auch ich eine gute Torwartschule durchlaufen habe.“

Endspurt 💪 #bangkok #immerweiter #immermehrmachenalsdieanderen #workhardplayhard #bccfc

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Doch Utecht muss sich auch umgewöhnen. „Es fängt schon beim Wasser an“, sagt er. „Das ist hier so geklärt, dass ich spezielles kaufen muss.“ Falang-Wasser wird das mineralstoffreichere Wasser genannt, dass vor allem von Touristen und Ausländern getrunken wird. Der Begriff „Falang“ bezeichnet die Europäer oder Amerikaner. Und auch die Temperatur könne einem zu schaffen machen, sagt Utecht, für den Spiele bei 34 Grad im Schatten und hoher Luftfeuchtigkeit in Deutschland nicht zum Standard gehörten.

Noch bis Ende 2018 hat Utecht Vertrag bei BCC Tero. Wohin es ihn dann verschlägt, weiß er nicht, aber er könnte es sich gut vorstellen, wie einst Welttorwart Lutz Pfannenstiel in möglichst vielen Ländern einmal Fußball zu spielen. In Südostasien sieht er die Chancen wegen der geringen Wertschätzung von Torhütern aber als relativ gering an. „Aber wenn Kontakt und Interesse da wäre könnte ich mir gut vorstellen auf Wanderschaft zu gehen. In vielen Vereinen zu spielen und viele Orte zu sehen“, sagt er. Und es gibt viele Länder, die ihn reizen würden: „In Japan oder Neuseeland würde ich gerne mal spielen. Mein großer Traum ist aber England. Oder Irland, Schottland, Wales. Irgendetwas auf der Insel.“ Und damit nicht genug, es dürfen auch mehr Orte werden. „Ich kann mir gut vorstellen auch eine Karriere als ‚reisender Torwart‘ zu machen“, sagt er. Auch Schweden, die USA, Norwegen, Finnland seien für ihn interessant. Mehr als ein Jahr läuft sein Vertrag in Thailand noch und man kann gespannt sein, wohin es ihn danach verschlägt.

Kai Druschky: „In Italien stehen die Emotionen im Vordergrund“

Kai Druschky

Schon dreimal traf Kai Druschky im Trikot von Trastevere Calcio (Foto: All around the Game Sportsmanagement)

Im Winter 2016 sollte die Profi-Karriere für Kai Druschky losgehen. Der traditionsreiche Ruhrpott-Klub Rot-Weiss Essen verpflichtete den Stürmer, der bislang bei International Leipzig in der Oberliga unter Vertrag stand, für 20.000 Euro. Es sollte richtig losgehen, doch es kam anders: Druschky brach sich eine Woche vor dem Start in die Rückrunde den Knöchel. Zweimal musste er operiert werden, für die Mannschaft aus dem Pott sollte er kein Pflichtspiel absolvieren. Doch in dieser Zeit reifte in dem gebürtigen Berliner der Entschluss nach Italien zu wechseln. Für das Ziel Italien, das Fußballsehnsuchtsland der frühen 1990er Jahre gibt es zwei Gründe. Zum einen war Druschky mit einer Italienerin zusammen, plante gemeinsam mit ihr den Schritt in den Süden zu wagen und ließ sich auch nach dem Ende der Beziehung nicht mehr davon abbringen. Auch, weil er die Spielkultur dort sehr schätzt. „Dort stehen die Emotionen noch mehr als in anderen Ländern im Vordergrund. Das ist bei mir auch so“, sagt er. Auch seine Vorbilder sind Italiener: Milan-Legende Filippo Inzaghi und Gianfranco Zola.

DruschkyDoch vor seinem Wechsel ins Ausland ging es für Druschky noch einmal zurück zu Inter Leipzig in die Oberliga. Sein alter und neuer Klub hatte gerade Stürmer Bocar Djumo an den Nordost-Regionalligisten Oberlausitz Neugersdorf abgegeben und war nun auf der Suche nach Verstärkung. Und auch Druschky wollte vor dem Italien-Abenteuer noch Spielpraxis sammeln. In Essen wäre das schwierig geworden, sagt er. Dort hätten sie aufgrund seiner Verletzung schon Spieler auf seiner Position nachverpflichtet.

Nach einem halben Jahr an alter Wirkungsstätte ging es dann im Sommer 2017 nach Italien. Über seine Berater Andreas Ryll und Andrea Mencarelli kam der Kontakt zum Viertligisten Trastevere Calcio in Rom zustande. Der 1909 gegründete Verein gilt als Nummer drei in der italienischen Hauptstadt nach den großen Serie A-Klubs Roma und Lazio. Und er hat ein sehr prominentes ehemaliges Mitglied. Am 24. Oktober 1985 wurde der damals neun Jahre alte Francesco Totti mit der Mitgliedsnummer 097264 beim Verein registriert. Ein Jahr spielte er für die Amarant-Weißen, ehe er zu Lodigani und schlussendlich zur Roma wechselte, wo er am 28. Mai 2017 seine Karriere beendete.

Der Start bei Trastevere war für Druschky nicht leicht. „Ich wurde von den Mitspielern schon komisch angeguckt, als ich da aufgetaucht bin und die Sprache nicht gesprochen habe“, sagt er. Wie in jedem anderen Verein sei er als der Neue auch hart rangenommen worden: „Gerade im körperlichen Bereich hat man gemerkt, dass die erstmal sehen wollten, was ich für einer bin.“ Doch die Eingewöhnungszeit dauerte nicht all zu lange. Denn Druschky ist keiner, der sich wegduckt, oder bei „kleinen Wehwehchen“ sofort aussetzt. Blaue Flecken, sagt er, gehören für ihn zum Fußball dazu. Über seine Leistung und seine Einstellung zum Sport konnte der einzige Legionär im Team schnell die Mannschaft und die Trainer von sich überzeugen. Inzwischen klappt es auch mit der Sprache. Seit elf Wochen lernt er Italienisch. „Jeden Tag übe ich“, sagt er. Bald will er neben dem Sport auch noch einen Kurs in der Schule besuchen. Für das alltägliche Leben und die Kommandos der Trainer und Mitspieler reicht es aber jetzt schon. Auch Facebook-Posts verfasst der Stürmer inzwischen auf Italienisch.

Die Tinte ist trocken: Kai Druschky unterschreibt bei Trastevere Calcio (Foto: All Around the Game Sports Managemant)

Die Tinte ist trocken: Kai Druschky unterschreibt bei Trastevere Calcio (Foto: All around the Game Sportsmanagement)

Eine Umstellung, die letztendlich doch keine war, hätte auch der Kunstrasenplatz sein können, auf dem Trastevere und viele Ligakonkurrenten spielen. „Wir haben hier einen Platz der neuesten Genaration“, sagt Druschky. „Ich hatte auch erst Bedenken, ich kenne ja die Plätze, die es so in Berlin gibt. Aber unser Platz hier ist richtig gut, man kann problemlos mit Rasenschuhen spielen.“

Den Saisonstart hätte sich Druschky kaum besser vorstellen können. Gleich im ersten Spiel stand er in der Startelf. „Das war zwar der Wunsch, mit dem ich hierher gekommen bin, selbstverständlich ist das aber nicht“, sagt er. Und Druschky ließ sich nicht viel Zeit, dem Trainer das Vertrauen, das er bekam, auch zurückzuzahlen. Nach nicht mal zwei Pflichtspielminuten im Dress von Trastevere Calcio netzte der Berliner erstmals ein. Bei der bisher einzigen Niederlage am dritten Spieltag musste er wegen einer Zerrung im Gesäßmuskel aussetzen. Stand Druschky auf dem Platz, hat sein Team auch gewonnen. In drei Spielen erzielte er drei Tore. Zuletzt traf er doppelt beim 4:1-Sieg gegen Anzio Calcio und steht mit seinem Verein auf dem dritten Platz.

Bei seinem Debüt für Trastevere traf Kai Druschky nach nur zwei Minuten erstmals das Tor (Foto: All around the Game Sportsmanagement)

Bei seinem Debüt für Trastevere traf Kai Druschky nach nur zwei Minuten erstmals das Tor (Foto: All around the Game Sportsmanagement)

Seine Spielweise, die sich von vielen anderen Mittelstürmern in der Serie D unterscheidet, macht ihn besonders wertvoll für Trainer Aldo Gardini. „Ich habe andere Laufwege, auch weil ich den deutschen Fußball noch drin habe“, sagt er. In der Serie D spielen die meisten Teams in einem 4-3-3 mit einem Wandspieler als Mittelstürmer. Doch darauf beschränkt sich Druschky, der ebenfalls die zentrale Rolle in vorderster Front einnimmt, nicht: „Ich laufe viel an, gehe tief, komme kurz, kann auch zum Kopfball gehen, bin einfach flexibler. Bis jetzt kommt das ganz gut an.“

Druschky will auch weiter gut ankommen. Sein Ziel ist es, sich in Italien durchzusetzen, es dort in die Profi-Ligen zu schaffen. „In zwei Jahren würde ich gerne in der Serie B spielen“, sagt der Stürmer, der seinen Abschluss mit dem linken Fuß als größte Stärke bezeichnet. „Aber ich weiß, dass ich dafür jeden Tag hart arbeiten muss und am Ende auch ein bisschen Glück dazu gehören wird.“

Den Schritt in die drittklassige Lega Pro, die unterste Profi-Liga Italiens, könnte er auch bereits in diesem Jahr mit seinem aktuellen Verein schaffen. Im vergangenen Jahr landete Trastevere auf Platz zwei der Viertliga-Staffel, scheiterte erst in den Aufstiegs-Playoffs. „In diesem Jahr wollen wir wieder oben mitspielen“, sagt Druschky. Das Wort Aufstieg will er so früh in er Saison aber nicht in den Mund nehmen: „Das haben wir uns auch nicht direkt als Ziel gesetzt“, sagt er. Eine Rückkehr nach Deutschland sei indes aber nicht mit seinen Profiplänen vereinbar. „Dafür bin ich mit 24 Jahren eigentlich schon zu alt, da ist die Tür wohl zu“, sagt er. „In Italien ticken die Uhren aber langsamer. Hier spielen in der ersten und zweiten Liga noch 36-Jährige im Sturm. Hier habe ich die Chance mich zu entwickeln und den Durchbruch zu schaffen.“

Sollte die Saison so weitergehen, wie sie begonnen hat, wäre ein Anfang gemacht. Und so hätte die lange Leidenszeit in Essen doch noch sein Gutes gehabt. Denn hier wurde die Idee fixiert, den Weg nach Rom zu gehen.

Carl Klaus: Konkurrenzkampf im Urlaubsparadies

In der vergangenen Rückrunde hatte der deutsche Torwart Carl Klaus gerade einmal 15 Tage keinen Besuch von Freunden oder Familie – und die nicht mal an einem Stück. Das mag an dem Ort liegen, wo der Fußballprofi sein Geld verdient: Auf Mallorca. Der U19-Meister von 2013 spielt bei Atletico Baleares in der dritten spanischen Liga. Der Kontakt zu dem Verein auf der beliebtesten Ferieninsel der Deutschen kam durch seinen ehemaligen Juniorenauswahltrainer Christian Ziege zustande, der zu Beginn der Saison 2016/17 dort Trainer war.

Carl KlausDer Werdegang des Schwaben begann in der Jugend des VfB Stuttgart, der sich vor einigen Jahren anschickte, sich einen Namen in der Ausbildung junger, talentierter Torhüter zu machen. Das prominenteste Beispiel ist sicherlich Nationaltorwart Bernd Leno, der inzwischen bei Bayer Leverkusen spielt und er ist beileibe nicht der einzige. So konnte auch U21-Europameister Odisseas Vlachodimos auf sich aufmerksam machen und hütet inzwischen bei Panathinaikos Athen in der ersten griechischen Liga das Tor. Eben dieser Vlachodimos war im gleichen Jahrgang wie Klaus. Bemerkenswert dabei: Beide Keeper standen regelmäßig im Kader der deutschen U18- und U19-Nationalmannschaft.

Doch die große Konkurrenz, auch in den Jahrgängen darüber und darunter, führte zu einem Stau in der Jugendabteilung des VfB – auch im Hinblick auf die U23. Es war nahezu unmöglich allen Torwarttalenten gleichermaßen Spielanteile zu ermöglichen, sie zu fördern. Also wagte Klaus im Sommer 2012 den Schritt aus der Heimat. In seinem letzten U19-Jahr wechselte er zum VfL Wolfsburg und wurde dort direkt zum Stammkeeper. An der Seite der heutigen Nationalspieler Maximilian Arnold und Julian Brandt wurde er Meister der ältesten deutschen Jugendklasse. „Es war unglaublich“, sagt Klaus auf den Erfolg angesprochen. „Wir hatten eine super Mannschaft, einen tollten Spirit.“ Und es waren in der Endrunde die ersten richtigen Profierfahrungen. „Wir haben im Halbfinale auf Schalke vor 12.000 Zuschauern gespielt, im Finale gegen Rostock vor 18.000. Die Spiele kamen im Fernsehen, die Lokalpresse hat sich mit unserer Mannschaft beschäftigt. Das war schon etwas Besonderes.“

In der Rückschau war es die „beste Saison, die ich je gespielt habe“, sagt er. In dieser Zeit trainierte er auch immer wieder bei den Profis mit. Doch der Moment seines größten Erfolges brachte auch den bisher größten Rückschlag mit sich. Im Finale zog er sich eine Rückenverletzung zu. Ein Jahr lang machte er kein Training und erst recht kein Spiel, musste sich dann wieder in die Mannschaft kämpfen. Nach einem Jahr mit nur neun Spielen (drei andere Keeper kamen abgesehen von ihm zum Einsatz), wechselte er zurück in die Heimat. Der damalige Drittligist Stuttgarter Kickers mit Trainer Horst Steffen holte ihn und der damals 21 Jahre alte Klaus setzte sich gegen Rouven Sattelmaier durch und spielte. Zwei Rote Karten konnten ihn ebenso wenig seinen Stammplatz kosten wie ein Trainerwechsel. Doch kurz vor der Winterpause wollte der neue Coach Tomislav Stipic dann doch ein Zeichen setzen und wechselte den Schlussmann. Bevor die Rückrunde startete zog sich Klaus zu allem Überfluss eine Schulterveletzung zu und musste während der Vorbereitung pausieren. Sein Platz in der Mannschaft war endgültig weg, er lief nur noch einmal im April für die zweite Mannschaft der Kickers in der Oberliga Baden-Württemberg auf.

Landsleute erleichtern den Start auf Mallorca

In der folgenden Sommerpause erhielt er dann die Anfrage von Ziege – und er folgte diesem Ruf. Zu Beginn seiner Zeit auf Mallorca hatte er neben seinem deutschen Trainer in Ex-Nationalspieler Malik Fathi, Marcel Ndjeng, Michael Wiemann und Vincenzo Marchese auch vier weitere deutsche Mitspieler, das erleichterte das Ankommen im neuen Land, sagt er. Inzwischen habe er aber auch die Sprache „mehr oder weniger gut“ gelernt. Er kann sich im alltäglichen Leben verständigen und auf dem Platz sowieso. Das sei auch wichtig gewesen, sagt er. Denn obwohl Mallorca vor allem durch den Tourismus bekannt ist, sprechen die Menschen auf den Ämtern, die eben hauptsächlich von Einheimischen besucht werden, kaum, eher sogar kein Englisch. Dabei gibt es viel, worum man sich kümmern muss, will man in Spanien wohnen. Anmeldung beim Wasserwerk, beim Elektrizitätwerk, Internet – und Einkaufen für den Alltag muss auch sein. Schließlich gibt beim Verein keine Rundumversorgung.

Klaus war vor einem Jahr nach Spanien gekommen, um zu spielen. Der Plan war eine Rotation mit dem ebenfalls neu verpflichteten Keeper Oinatz Aulestia. So lief es auch in der Anfangszeit. Viermal lief der Stuttgarter in den ersten acht Partien der viergleisigen, dritten Liga auf, ehe ihn eine Verletzung erneut zurückwarf. Ein Muskelbündelriss setzte ihn zwei Monate außer Gefecht, die Torwartrotation war damit erstmal beendet, Klaus machte in der Saison kein Spiel mehr. Doch in der Sommerpause kämpfte er sich wieder ran. Der neue Coach, Armando de la Morena, der im Sommer bei den Mallorquinern seinen Job antrat, setzt wieder auf Rotation. In Dreierblöcken wechseln sich Klaus und der 36 Jahre alte Aulestia ab.

„Manchmal rufen sie ‚ter Stegen‘“

Einem besonderen Druck, weil er im Torwartland Deutschland ausgebildet wurde, sieht sich Klaus nicht ausgesetzt. „Die Spanier sind sehr stolz auf ihre eigene Liga. Viel mehr als Bayern, Dortmund und Schalke kennen die meisten auch nicht. Sie sind mehr auf ihre Liga fixiert. Da ist es egal, wo ich herkomme.“ Und doch wird der technisch versierte Klaus einen Vergleich nicht ganz los: „Wenn ich im Training einen guten langen Ball spiele oder sonst eine gute Aktion mit dem Fuß habe, rufen die Mitspieler schon mal ‚ter Stegen‘“, sagt er. Den kennen sie. Er spielt schließlich beim FC Barcelona.

Klaus‘ Vertrag bei Atletico läuft noch bis zum nächsten Sommer. Nach dem knapp verpassten Aufstieg in die La Liga 2 im vergangenen Jahr soll es in dieser Saison klappen. Klaus persönlich möchte in dieser Zeit endlich einmal verletzungsfrei bleiben und viele Spiele machen. Was danach kommt spielt noch keine Rolle, auch wenn er sagt: „Ich kann mir vorstellen, noch in einigen Ländern zu spielen.“ Doch dafür bleibt dem 23-Jährigen noch viel Zeit. Lieblingsziele hat er nicht. „Ich will einfach nichts ausschließen“, sagt er. Die zweiten oder dritten Ligen in Spanien, Italien, Deutschland oder England würden ihn genauso reizen wie die ersten in Portugal, Dänemark oder den Niederlanden – oder sogar ein Wechsel nach Asien. Diese Überlegung ist aber mit Bedingungen verknüpft: „Wenn ich jetzt beispielsweise nach Thailand gehen würde, müsste dort aber das Umfeld, der Verein, die Perspektive und die Mannschaft zu 100 Prozent passen, schließlich wäre das schon ein großer Schritt. Hier in Europa kann man schon mal Abstriche machen“, sagt er.

Doch das ist ohnehin Zukunftsmusik. In zwei Ligaspielen und stand der Schwabe aktuell bei den Mallorquinern im Tor. Bislang stehen ein Sieg und ein Remis in Unterzahl mit je einem Gegentor auf seinem Arbeitsnachweis. Wozu also an die Zukunft denken, wenn die aktuelle Saison genug Herausforderungen bietet. Und auch Freunde und Familie sind sicherlich dankbar, wenn sie weiterhin eine Anlaufstelle auf Mallorca haben. Denn, das sagt Klaus auch: „Von Stuttgart braucht man kürzer nach Palma als nach Wolfsburg.“

Bajram Nebihi: In Thailand baut man auf seine Stärken

So wirklich gekannt hat Bajram Nebihi die thailändische Stadt Ubon Ratchathani nicht, bevor er dorthin wechselte – und doch hat er dort, im Grenzbereich zu Laos und Kambodscha gefunden, was er gesucht hatte. Seit Anfang des Jahres steht er bei Ubon UMT United unter Vertrag. Die Mannschaft ist zum Jahreswechsel in die erste thailändische Liga aufgestiegen, steht jetzt auf einem guten neunten Platz der 18 Vereine umfassenden Meisterschaft. Daran hat auch Nebihi seinen Anteil: Elf Tore und zwei Vorlagen steuerte er bei. Das ist im kompletten Land nicht verborgen geblieben. „Ich habe jetzt schon lose Anfragen aus der ganzen Liga, die wollen, dass ich im nächsten Jahr für die spiele“, sagt Nebihi. Und auch der Ligaführung sind seine Leistungen nicht verborgen geblieben. Der Kosovare, der in Deutschland aufgewachsen ist, wurde für das Allstar-Game gegen die Nationalmannschaft des Landes in die Liga-Auswahl berufen. Weiterlesen

Christopher Mandiangu: Mit dem Auto ins Ausland

Es war das eigene Auto, das Christopher Mandiangu im Sommer 2015 zum Legionär machte. Mit einem Kumpel fuhr der damals 23-Jährige aus seiner Heimat Mönchengladbach nach Maastricht. Auf eigene Faust organisierte er sich ein Probetraining, durfte auch in einem Testspiel auflaufen. „Der Verein war interessiert, aber er hat sich viel Zeit gelassen.“ Die Chance kam dann im Testspiel. Nach der Partie kam er mit dem gegnerischen Kapitän Chiró N’Toko, der ebenfalls kongolesische Wurzeln hat, ins Gespräch, der ihm vorschlug, es doch einmal bei seinem Verein, dem FC Eindhoven zu probieren. Dort klappte es, Mandiangu erhielt seinen ersten Vertrag im Ausland. Weiterlesen

Patrick Reichelt: Auf den Philippinen begann das Profi-Leben

Ein Kreuzbandriss im linken Knie wurde für Patrick Reichelt zum Startschuss in eine Fußballerkarriere, die er sich so nie vorgestellt hätte. Mit 22 Jahren wechselte der gebürtige Berliner in die zweite Mannschaft des damaligen Zweiligisten Energie Cottbus. Doch die schwere Knieverletzung verhinderte seinen Durchbruch. So war es Michael Weiß, der dem Sohn einer Phillippina und eines Deutschen Starthilfe gab. Gerade war der Dannenfelser Trainer der Nationalmannschaft im Land von Reichelts Mutter – und er lies nichts unversucht, den schnellen Rechtsaußen in den Pazifikstaat zu lotsen. Nach einer langen Reha und einem kurzen Engagement beim damaligen Oberligisten TSG Neustrelitz willigte Reichelt im Frühjahr 2012 ein. „Es musste ganz schnell gehen“, erinnert sich Reichelt. „Michael Weiß hatte mir einen Vertrag beim FC Global in Cebu besorgt. Ich hatte fünf Tage Zeit, meine Sachen zu packen und alles zu regeln.“ Weiterlesen